Samstag, 1. Mai 2010

Einführung - worum es mir geht

Lehrer neigen dazu, ihr Engagement und ihr Können beweisen zu wollen. Unter dem Druck der Schule, der Elternschaft und auch der Schüler stehen sie oftmals zwischen den vielen Erwartungen und reagieren als Folge darauf mit dem immer wieder gerne gesehenen "besonderen Engagement".

Welcher Lehrer kennt nicht die langen und "intensiven" Gespräche mit Schülern oder Eltern, die langen Telefonate vom privaten Telefon aus, die großzügigen Klassenfahrten oder sogar Hausbesuche?

Der Lehrer scheint also von allen Seiten unter Druck zu stehen. Bei genauerem Hinsehen fällt uns aber auf, dass er auch jede Menge nicht genutzter Freiheiten hat.

Vielleicht fehlt ein stimmiges Bild für die eigene Profession.
Ein Bild, das nicht ein reines "Privatding" ist, keine Über- oder Unterforderung bedeutet, sondern die Basis für eine Arbeit bildet, der man mit Stolz nachgeht und die eine gesellschaftliche Anerkennung findet.

In Ermangelung eines solchen Bildes macht der Lehrer sich den größten Druck vielleicht selbst, weil er sich so den wildesten Forderungen und Erwartungen ausgeliefert fühlt.
Kein Wunder wenn er dabei sonderlich wird, zum Verwaltungsderwisch oder auch zum tragischen Opfer einer "bösen" Klasse.
Was kann man also tun?
Mein Blog möchte sich mit dieser Frage beschäftigen...

Kommentare:

  1. Haltung klingt vielleicht etwas konservativ... aber erinnert mich an Adel (edel) und das finde ich in diesem Zusammenhang sehr gut: Zwei Leute tun scheinbar das Gleiche, durch die unterschiedliche Haltung aber, mit der sie es tun, unterscheiden sich die Ereignisse dann doch wesentlich. Der Heranwachsende muss für dieses Verhältnis ein Beispiel haben. Wenn der Lehrer ein Bild von sich in der Rolle eines Lehrers hat ist das für den Schüler eine große Hilfe. Der Schüler kann dieses Bild im Konkreten dann entweder wirken oder scheitern sehen. Dabei kann er etwas lernen. Er lernt Forderungen auf eine komplexere Weise anzusehen. Warum? Das Verhältnis von der Ganzheit eines Zusammenhangs (oder vpon einer Haltung) zu einer ganz konkreten Tat wird in die Aufmerksamkeit gerückt. Und das bedeutet im Weiteren: Das paradoxe Verhältnis von Forderung und Förderung, das sich in allen Handlungen eines Lehrers zum Ausdruck bringen muss - wenn er seine Aufgabe einigermaßen beherrscht - ist auf diese Weise von dem Schüler als etwas Paradoxes auszuhalten. Im anderen Falle würde gnadenlos auf Abkürzung gespielt, wenn sich Spannungen zwischen Lehrer und Schüler beginnen aufzubauen.

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  2. Ich halte die Professionalität des Lehrers für etwas, was sich erst langsam im Bewusstsein der Lehrer durchsetzt. Mein Verständnis von Professionalität beinhaltet ein klares Wissen um die eigenen Ziele, die man als Lehrer hat, und um das Verständnis der eigenen (Leistungs-)grenzen, die zu überschreiten gerade das Verlassen der Professionalität bedeutet.
    Das ist aber schwer, und im Alltag verwischen sich die Grenzen ständig.
    Respekt gehört in diese Thematik: Respekt, den ich für mich selbst habe (den Lehrer) und Respekt, den ich meinem Schüler entgegenbringen.

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  3. Hallo hallo!
    Vielen Dank für Eure Kommentare.
    Eure Beiträge haben mich motiviert, mir den Eingangstext noch einmal anzusehen und an wichtigen Stellen umzuformulieren.

    Vielleicht schaut ihr ja einfach noch einmal rein... ;-)
    Liebe Grüße,
    Markus Buschkotte

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  4. Hallo Markus,

    auf der neu formulierten Startseite wird klarer worum es Dir geht: Jeder Mensch hat eine Persönlichkeit und in diesem Sinne zeigt er auch eine bestimmte, eigene Haltung.
    Aber auch ein Beruf hat eine Art von Seele (eine eigene "Persönlichkeit"). Und um diese geht es Dir. Es leuchtet unmittelbar ein, dass es wichtig ist, sich darüber Gedanken zu machen. Super!
    Und die Idee von Flohbaer (ala Gustav ;-) oder Jürgen Behm) mit dem "Respekt" find ich schonmal seeeehr gut. Ja, Respekt in allen Richtungen! :) Jetzt brauchten wir dafür eigentlich nur noch ein Bild....
    L.G.
    Werner

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  5. Marc Hildebrand19. Mai 2010 um 15:20

    Eine sehr spannende Idee! Grundsätzlich sehe ich aber bei mir persönlich den Druck nicht im Beruf, sondern eher bei den Dingen, die neben dem Beruf so anfallen.

    Da ich neben meiner Lehrertätigkeit noch ein politisches Mandat und mehrere Vorstandsposten ausfüllen muss, ist bei mir eine sehrn klare Tages- und Wochenplanung das A und O. Aber bislang klappt alles und bislang bin ich mit allem sehr zufrieden...doch...eine Sache gibt es noch...der Tag könnte 26 Stunden haben. :-)

    Viele Grüße
    Marc

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  6. Hallo Marc,
    schön dass Du Dich hier meldest.

    Zu Deinem Beitrag:
    Was Du schilderst ist wirklich eine Art von "Druck".
    Unterrichtsvorbereitungen, Korrekturen und dazu noch ein politisches Engagement. Diesen Druck spürt man sicherlich deutlich, und da braucht man bestimmt auch ein gutes Zeitmanagement (das Du, so wie ich Dich erlebe, offenbar gut bewältigst).

    Meine Frage, die sich mir aufdrängt, zielt jetzt ein klein wenig in eine andere Richtung.
    Was ist mit den Erwartungen, die man vielleicht als Lehrer zunächst nicht so sehr als "Druck" wahrnimmt?
    Ich versuche es hier mal mit einem Beispiel, wie es vermutlich jeder Lehrer irgendwann einmal in der einen oder anderen Form erlebt hat:
    Ein (Klassen-)Lehrer findet nach sechs Schulstunden an einem Freitag-Mittag oder Nachmittag zu Hause eine Mitteilung auf seinen privaten Anrufbeantworter, er möge sich wegen eines dringenden Gesprächs bei den Eltern des Schülers xyz umgehend melden.
    Der Lehrer selber sieht, was den Schüler betrifft, keinen zwingenden Grund, ein solches Gespräch sofort führen zu müssen. Immerhin war der Schüler an diesem Tag in der Schule anwesend und es ging ihm in jeder Hinsicht "normal" gut. Es gibt für den Lehrer also im Grunde keinen unmittelbaren Anlass für ein Elterngespräch. Trotzdem ist da dieser Anruf auf seinem AB. Und der Lehrer hat keine Ahnung, worum es dabei gehen könnte.
    Hier frage ich mich: Ist das jetzt Druck? Ich finde schon.
    Natürlich nicht im Sinne einer erhöhten Arbeitsbelastung. Aber wie verhalten sich viele Lehrerinnen und Lehrer in einem solchen Falle?
    Ich glaube, sie reagieren häufig nach dem folgenden Muster: Sie greifen zum Telefon, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Schließlich möchte "man" ja auch mal seine Ruhe haben und überhaupt gilt: "Was weg ist, ist weg"!

    Ich kann eine solche Haltung gut verstehen. Warum sollte ich einen solchen Anruf über das ganze Wochenende mit mir 'rumschleppen?
    Aber irgendwie hat sich dieser Lehrer in meinen Augen mit seinen Begründungen rausgeredet. Anstatt sich sein "schlechtes Gewissen" einzugestehen, hat er mit seiner Reaktion den Wünschen der Eltern nachgegeben. Soll heißen: Die Eltern drücken auf den Knopf, und der Lehrer reagiert – bildhaft gesprochen – wie ein gut funktionierender Automat – ein Automat, der die Erwartungen der Eltern zwar wunschgemäß bedient, aber die eigentlichen "Bisse", die in solchen Erwartung oftmals liegen, nicht mehr selber spürt.

    Ich finde, dass man sich das schlechte Gewissen an dieser Stelle eingestehen sollte. Das Problem des Anrufs ist dann natürlich noch nicht aus der Welt, aber man merkt vielleicht so am ehesten, was es bedeutet, zu sich selber zu stehen und dass das Lehrer-Dasein mehr ist, als nur gut zu funktionieren.

    Liebe Grüße, Markus

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  7. Hallo Marc und Markus,
    Psychotherapeuten, die gerade angefangen haben, sage ich immer, dass es nicht so gut ist, erst mal mit einem einzigen Fall zu arbeiten. Der Grund: weil sie dann oft zu stark mit ihrer Aufmerksamkeit an dem Prozess dieser einen Sache hängen und deshalb etwas schlechter die nötigen Freiheitsgrade und Spielräume findet.
    Das fällt mir ein, wenn ich von Marcs Beitrag lese. Durch seine vielseitige Verpflichtung auf anderen Feldern fällt ihm wahrscheinlich die eine oder andere Entscheidung in der Schule naturgemäß etwas leichter - und er fällt wahrscheinlich nicht so leicht auf alles Mögliche herein).
    Sein Beispiel macht aber auch auf ein Problem aufmerksam, auf das Markus, wenn ich ihn richtig verstehe, hinweist:
    Eine Entscheidung nämlich, die glatt und ohne Konflikt über die Bühne geht, hat andere Wirkungen als wenn sie aus einem erlebten Konflikt hervorgegangen ist. Und das kann im Lehrerberuf vielleicht eine wichtige Rolle spielen. So etwas vermute ich jedenfalls. Ich finde, damit ist eine interessante Frage angeschnitten.

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