17.11.20

Philosoph - Erzieher - Rattenfänger

Auch Nietzsche kokettierte gelegentlich in seiner besonderen Art mit dem Bild des Rattenfängers (s.dazu den Beitrag vom 11.9.20). Und obwohl das Wort 'Rattenfänger' bei Nietzsche nicht vorkommt, zielen seine Gedanken in eine ähnliche Richtung.

„Gesetzt, man denkt sich einen Philosophen als großen Erzieher, mächtig genug, um von einsamer Höhe herab lange Ketten von Geschlechtern zu sich hinaufzuziehen: so muß man ihm auch die unheimlichen Vorrechte des großen Erziehers zugestehen.
Ein Erzieher sagt nie, was er selber denkt sondern immer nur, was er im Verhältniß zum Nutzen Dessen, den er erzieht, über eine Sache denkt. In dieser Verstellung darf er nicht errathen werden; es gehört zu seiner Meisterschaft, daß man an seine Ehrlichkeit glaubt.
Er muß aller Mittel der Zucht und Züchtigung fähig sein: manche Naturen bringt er nur durch Peitschenschläge des Hohns vorwärts, Andere, Träge, Unschlüssige, Feige, Eitle, vielleicht mit übertreibendem Lobe. Ein solcher Erzieher ist jenseits von Gut und Böse; aber Niemand darf es wissen.“
(aus: Friedrich Nietzsche, Nachlaß 1884-1885 in: KSA XI, 580)

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